Ein herrlich absurder Theaterabend unserer Dreikönigspieler 11 & 12
Einen großartigen Theaterabend voller absurdem Witz und entlarvendem Hintersinn gab es am Montagabend im gut gefüllten Projekttheater zu erleben.
Ein Ehepaar sitzt abendlich beieinander; sie versucht es mit Smalltalk, er sitzt schweigsam vor seiner Zeitung. Schließlich möchte er doch noch etwas sagen, woraufhin ein Streit um Belanglosigkeiten entsteht.
Ein befreundetes Ehepaar erscheint überraschend zu Besuch. Während die Gastgeber sich umziehen wollen, sitzen die beiden Gäste schüchtern beieinander. Sie scheinen sich nicht zu kennen und kommen erst nach einem umständlichen Beweisverfahren darauf, dass sie Eheleute sind und eine gemeinsame Tochter haben.
Jede neue Erkenntnis wird dabei mit Ausrufen bekräftigt, etwa: „Wie interessant, wie merkwürdig, wie zufällig!“.
Das Dienstmädchen, in Wahrheit Sherlock Holmes, klärt den Zuschauer anschließend in nochmals gesteigerter Absurdität über den Irrtum dieser vermeintlichen Erkenntnis auf.
Die Eheleute kommen – unverändert – zurück. Es klingelt dreimal an der Tür, doch dreimal steht niemand davor. Die Männer verbünden sich mit der Behauptung, Haustürklingeln sei stets darauf zurückzuführen, dass jemand vor der Tür stehe und Einlass begehre. Die Frauen widersprechen entschieden.
Nach dem vierten Klingeln steht tatsächlich jemand vor der Tür. Es ist der hochverehrte Feuerwehrhauptmann, der einen Brand löschen möchte. Da er keinen vorfindet, erzählt er einige unzusammenhängende Fabeln. Weitere absurde Geschichten kommen dazu, nun hat jeder etwas beizutragen, es gipfelt im wahrhaft feurigen Gedicht „Das Feuer“, welches das Dienstmädchen für den Feuerwehrhauptmann vorträgt, ihre gerade wiedergefundene Jugendliebe.
Zuletzt gehen beiden Ehepaaren neben der Sinnhaftigkeit ihrer Konversation auch noch die Wörter verloren; einzelne Laute verbleiben und es mündet in einem mit großem Crescendo erreichten lautstarken und sinnfreien Schlusssatz.
Zur Überraschung wird die Bühne erneut hell und das Stück beginnt von vorne - allerdings mit getauschten Ehepaaren.
Der rumänisch-französische Schriftsteller Eugène Ionescos stand Pate für diese Inszenierung. Seine literarischen Anregungen sind zu einem neuen Stück verarbeitet worden, das man als absurdes Theater vom Feinsten beschreiben muss. Dass man mit einer Reihung von Unsinnigkeiten den Kern moderner Konversation treffen kann, hat Ionesco vor 50 Jahren folgendermaßen beschrieben:
"Da geht es auch um eine Katastrophe. Die Katastrophe der Sprache. Es treten Leute auf, die ganz ernst dasitzen und unsinniges Zeug reden, wie man es immer tut. Und plötzlich geraten die Wörter aus den Fugen, sie verrenken sich. Es geht um eine Verrenkung der Sprache, also um eine Art Verrenkung der Welt. Aber dieses Aus-den-Fugen-geraten der Sprache habe ich lustig beschrieben."
[Quelle: https://www.ionesco.de/, abgerufen am 23.6.26]
Und das beschriebene Gesamtkunstwerk haben unsere Dreikönigspieler phänomenal zu einem fulminanten Stück geformt und großartig auf die Bühne gebracht.
Es gibt so vieles zu loben: die Bewältigung des umfangreichen und pointierten Textes; das tolle Gefühl für schauspielerisches Timing und für präzise gesetzte Pointen; die nuancierte Aussprache sowie der Sinn für fein abgestimmte Gestik, Mimik und für das Zusammenspiel.
Dass die Zuschauer am Montagabend ein absurd hohes Niveau zu sehen bekamen, war dem begeisterten Schlussapplaus überaus deutlich anzumerken.
Theaterleiterin Ina Kwiatkowski gebührt höchste Anerkennung dafür, die sechs Spielerinnen zu dieser Leistung geführt zu haben.
Bilder: Steffi Firchau





Donnerstag
